denk#ZEIT #4: Ahmad Mansour – Welcher Islam gehört zu Deutschland? Vortrag und Diskussion

08. Oktober 2016

Der Islamismusforscher Ahmad Mansour sieht gegenseitige Akzeptanz, gepaart mit einem offenen Dialog ohne Tabus als Voraussetzung für ein gelingendes Zusammenleben.

Bei der vierten Veranstaltung der Reihe „denk#Zeit“ am 5. Oktober 2016 im Museum Fünf Kontinente in München, moderiert von BayernSPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen, MdL, benannte Mansour, wo im Islam, aber auch in unserer Gesellschaft, radikaler Nährboden entsteht und was man dagegen unternehmen kann.

Sein Bekenntnis gegen Extremismus ist dabei klar: „Ich bin niemals nur Muslim“, sagte er. „Ich bin Berliner, teilweise Deutscher, bald wahrscheinlich auch offiziell, ich bin Israeli, Araber – ich bin vieles. Und diese einseitige Dimension von Identität, die gibt es eigentlich gar nicht.“ Für Mansour ist diese Vielfalt bestimmend für sein Leben und wird gestützt von sozialen und demokratischen Grundwerten.

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Ahmad Mansour

Wenn radikale Kräfte die Orientierungslosigkeit junger Menschen ausnutzen, um sie für eine einseitige und radikal rückständige Glaubensvorstellung zu gewinnen, wie es derzeit im Islam oft der Fall ist, sei die Gesellschaft gefordert, das Gespräch mit jungen Menschen zu suchen. „Wir dürfen diese Debatte nicht den Radikalen überlassen“, forderte Mansour.

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Ahmad Mansour und Natascha Kohnen

Vor allem die Schulen müssten – als zentraler Ort der Begegnung Jugendlicher - fit gemacht werden, um soziale und demokratische Werte hochhalten zu können. Allzu oft spiele zudem das Internet eine zentrale Rolle bei der Radikalisierung, hier müsse ebenfalls ein demokratisches Gegennarrativ geschaffen werden. „Jugendliche haben Spaß daran, sich eine eigene, differenzierte Meinung bilden – das kennen sie aber oft nicht. Deshalb brauchen wir diese Auseinandersetzung.“

Natascha Kohnen betonte in der sich anschließenden Diskussionsrunde, welch wichtige Integrationsarbeit viele Lehrer schon heute leisten. Gleichzeitig sieht sie die Regierung in der Verantwortung, mehr für diese wichtige und nachhaltige Integrationsarbeit zu tun. Sie stellte fest: „Die Erkenntnis, dass man ganz früh beginnen müsste, ist schlicht nicht da.“

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Ahmad Mansour und Natascha Kohnen

Ahmad Mansour ist Programme Director bei der European Foundation for Democracy in Brüssel und beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen gegen Radikalisierung, Unterdrückung im Namen der Ehre und Antisemitismus in der muslimischen Community. Er ist freier Autor, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Gesellschaft Demokratische Kultur (ZDK), Mitarbeiter bei der Beratungsstelle HAYAT, so wie Gruppenleiter beim HEROES-Projekt in Berlin.

Die nächste denk#ZEIT-Veranstaltung Zeitgewinn mit der Journalistin und Autorin Greta Taubert findet statt am

9. November 2016, 20 Uhr
Buchhandlung Lehmkuhl,
Leopoldstraße 45, München

Anmeldungen bitte unter www.bayernspd-landtag.de/denkzeit.

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